Fachkräftemangel in der Logistik – Status Quo ändern

Fachkräftemangel in der Logistik – Status Quo ändern

Nicht nur in Deutschland sonder in ganz Europa wird seit Jahren über den Fachkräftemangel gesprochen, darunter leidet besonders auch die Transport- und Logistikbranche. In einer Studie der Bundesvereinigung Logistik von 2017 schätzen rund 90 % der Befragten den Mangel an Fachkräften als bemerkbar bis stark bemerkbar ein. Hinzu komme, dass es in den letzten Jahren weniger geeignete Bewerber gäbe – das haben 77 % der Befragten behauptet.

Dies stellt viele Arbeitgeber und Personaler vor ein großes Problem: An Aufträgen mangelt es oft gar nicht, denn die Logistikbranche wächst unter anderem durch die Verlagerung des Einzelhandels ins Internet und den zahlreichen Online-Bestellungen. Doch geeignete Bewerber und Auszubildende bleiben aus. Meist müssen die vorhanden Mitarbeiter Aufgaben übernehmen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind und fehlen dann an anderen Stellen. Auch durch die Corona-Krise ist nun die Personalbeschaffung und -einsatzplanung wesentlich erschwert.

Auf der anderen Seite befürchten viele wiederum aufgrund von Automatisierung und Digitalisierung das zukünftige Wegfallen von Millionen Jobs in der Logistikbranche.

Höchste Zeit für Änderungen

Fakt ist, dass sich die Arbeitgeber jetzt neue Lösungen überlegen und Prozesse umgestalten müssen, um ihre Aufträge planmäßig erfüllen und Engpässe langfristig vermeiden zu können. Der Arbeitsmarkt hat sich nämlich in den letzten zwei Jahrzehnten sehr verändert, nicht nur aufgrund des demografischen Wandels und der Erwartungshaltung neuer Generationen, sondern auch durch die rasant fortschreitende Digitalisierung. Die Arbeitnehmer von heute wollen für moderne Arbeitgeber tätig sein, die nicht nur eine faire Vergütung, sondern auch Entwicklungschancen, ein gutes Arbeitsklima sowie flexible Arbeitszeitmodelle zu bieten haben und High Tech-Equipment einsetzen. Nicht zuletzt ist es für immer mehr Arbeitnehmer von großer Bedeutung, den Sinn seiner täglich ausgeführten Tätigkeiten zu verstehen sowie deren übergeordnete Ziele zu kennen. Das betrifft alle Wirtschaftsbereiche aber vor allem die Logistikbranche genießt keinen guten Ruf unter den Arbeitnehmern. In Logistikunternehmen verläuft zudem nicht nur die Besetzung offener Stellen mit Fachkräften oft sehr schleppend.

Mitarbeiterzentrierung

Deshalb braucht es Umdenken und Restrukturierung, um entsprechend viele gute Arbeitskräfte zu gewinnen und langfristig binden zu können. Die Recruitingprozesse müssen beschleunigt werden. Neben der Gestaltung von attraktiven Gehaltsmodellen müssen auch flexible Arbeitszeiten und die Einbeziehung von Mitarbeitern in die Einsatzplanung gewährt werden, sodass eine echte Work-Life-Balance möglich gemacht wird. Dabei ist die Förderung von Frauen und älteren Mitarbeiter*innen ebenso ein sehr wichtiger Aspekt, wie auch den Fachkräften Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten im Unternehmen zu bieten. Darüber hinaus sind der Zusammenhalt und das Teamgefühl im Betrieb bewusst zu fördern. Nicht zu vergessen dabei ist der Einfluss der Führungskräfte. Im Februar 2020 berichtete Verkehrsrundschau von einer Umfrage, laut der die Logistikfachkräfte am meisten unzufrieden sind mit ihren Vorgesetzten.

Die Zufriedenheit der eigenen Mannschaft wirkt dabei nicht nur einer hohen Fluktuation entgegen, sie ist auch Voraussetzung für die Wirksamkeit einer sehr empfohlenen Methode, den Mitarbeiterpool zu erweitern – das Mitarbeiterempfehlungsprogramm. Arbeitnehmer, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind, können erfolgreiche Überzeugungsarbeit außerhalb des Betriebs leisten. Die Glaubwürdigkeit des Arbeitgebers und die Reichweite des HR-Marketings steigern sich dadurch enorm.

Externe Aushilfen mit Potential für die Zukunft

Darüber hinaus kann im Fall von einfachen Helferberufen auf das Prinzip der Arbeitnehmerüberlassung gesetzt werden. Einfach zu erlernende Tätigkeiten, beispielsweise im Lager, können sehr wohl durch die kurzfristig buchbaren studentischen Aushilfskräfte übernommen werden, was eine hohe Flexibilität in der Personalplanung ermöglicht und die HR-Abteilungen entlastet. Dies birgt zusätzliche Vorteile: Eine Beziehung zu zukünftigen Akademikern wird schon während des Studiums aufgebaut, wobei Potentiale frühzeitig erkannt werden und schon in dieser Phase wertvolle Arbeitskräfte vom Arbeitgeber überzeugt werden. Gemäß einer Studie von PwC werden die Anforderungen an Arbeitskräfte in der Logistikbranche in den kommenden Jahren aufgrund des digitalen Wandels stets steigen und dadurch auch der Akademikeranteil – bis 2030 um mehr als die Hälfte.

Fazit

Die Attraktivität der Arbeitgeber in der Logistikbranche kann durchaus verbessert werden. Es gibt viele Stellschrauben, an denen noch gedreht werden kann, sodass immer mehr junge Menschen nach einer Ausbildung in der Logistik streben und sich mehr Fachkräfte für die Arbeitgeber in diesem Bereich entscheiden. Auch der Einsatz von Robotern und autonomen Technologien wird die Lücken zukünftig schrittweise füllen können und so zur Entspannung in dem Sektor beitragen. Dabei wird die Technisierung mehr anspruchsvollere Aufgaben generieren und der Umgang mit modernen Technologien wird besonders für die jüngeren Generationen einen zusätzlichen Attraktivitätsfaktor darstellen.

 

Beitragsbild: ©wavebreakmedia, shutterstock.com / ©delphinmedia, pixabay.com

 

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